Fuchs und Mantikor - Unerwarteter Besuch I

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Markgrafschaft Perricum, Baronie Brendiltal, Dorf Feshaven (Fez'hava), Später Efferd 1034

„…und blaibt nicht szu langä und vor’alläm ba’uth kainä Schaisze.“

Mit diesen Worten verabschiedete er sich von den Männern vor ihm, von deren ordentlichen Tüchtigkeit er sich eben gerade persönlich mit zwei Männern seiner Garde überzeugt und nur noch mal eben die erhöhten „Liegegebühren für Sondergut“ entgegennahm, was er seid seiner Rückkehr wieder häufiger selbst erledigte.

Alles lief wieder zu seiner Zufriedenheit. Seit die Nachrichten vom Tod und Verschwinden des Untiers vom Darpat die Runde gemacht hatte, wurde sein kleines, verträumtes Fischerdorf wieder öfter als „Zwischenliegeplatz“ von gewissen Leuten genutzt und seine Zöllner hatten gut zu tun.

Besser noch, sein Ausflug durch die Markgrafschaft hatte ihm einen Kontakt eingebracht, der das Geschäft noch einmal ordentlich ankurbelt hatte. Harben von Meilersgrund. Und sein neues Schiff, der stürmische Falke, entpuppte sich, trotz seines runtergekommenen Aussehens als Goldstück und machte ordentlichen Eindruck bei dem ganzen Schmugglerpack, so dass die Zwischenfälle, die es immer mal wieder gab und um die sich dann seine Blutgarde kümmerte, auch zurückgingen. Er dachte sogar daran mit dem Falken vielleicht selber ein paar Aufträge zu übernehmen.

Zufrieden lächelnd wandte er sich um, wobei sich das Narbengeflecht auf seiner Wange zerrte und etwas Eiter aus dem Loch in der Mitte hervorquoll, denn ganz verheilt war die Wunde noch nicht, das Loch würde wohl auch bleiben. Sein schwarzer Umhang peitschte dabei wild im Wind und seine dunkelgerüsteten Blutgardisten folgten ihm hinauf zur Burg.

Als er, immer noch zufrieden grinsend, dort ankam und das Tor durchquerte, schlug seine Stimmung schlagartig in Verwunderung um. Dort im Hof stand eine große Zahl fremder Pferde und bei ihnen einige gut gerüstete, nebachotische Krieger, mindestens ein Dutzend, in den Farben Gold und Schwarz. Auf einem ebenfalls schwarzgoldenen Banner prangte ein schwarzes Pferd auf goldenem Grund. Al’Arik erstarrte, das waren die Männer des Marbens. Zu solch einer Zeit? War etwas passiert? Er rief seine beiden Krieger, die ebenfalls verblüfft waren an seine Seite und wand sich, ohne die Männer des Barons zu fragen, dem Haupthaus zu, in dem ebenfalls heftiges Treiben herrschte.

Drinnen fing er einen seiner Diener ab, der gerade mit einer Schüssel Früchte seinen Weg kreuzte und raunte ihn auf Nebachotisch an und hob dabei drohend seine Hand: „Was ist das hier für ein Tumult? Was machen die Truppen des Marbens hier? Ist etwas vorgefallen?“ Bevor der eingeschüchterte junge Mann mit den schwarzen Locken antworten konnte kam die Antwort auf Al’Ariks Frage aus dessen Rücken. „Al’Arik han Kur’barun, lasst den Jungen doch in Frieden, er wollte mir gerade ein paar Früchte bringen, widmet doch lieber mir eure Aufmerksamkeit.“ Al’Arik erkannte die Stimme sofort, er schluckte, was wollte Ra'oul hier? Der Sohn des Marbens persönlich, der lässig an einen Pfosten gelehnt stand und ihn musterte.

Die Arme ausgebreitet drehte der Feshavener sich um. „Hocherhabener, ich hatte euch nicht erwartet, wenn ihr euch angemeldet hättet hätte ich euch doch persönlich empfangen.“ Er ging auf ihn zu und begrüßte Ra’oul auf die nebachotische Art und umarmte ihn und deutete Küsse auf seine Wangen an. Ra’oul erwiderte die Begrüßung zwar, wehrte dann aber beiläufig ab, wobei sein Ton doch eine gewisse Anspannung verriet: „Macht euch darum keine Gedanken, Kur’barun, wir werden eh nicht lange bleiben, morgen brechen wir wieder auf Richtung Baburin.“, dann wechselte er in das formale Garethi, was Al’Arik seltsam zu Mute werden liess, redeten die Nebachoten, wenn sie untereinander waren doch eigentlich immer in ihrer eigenen Zunge. „Und ihr solltät esz eich auch nicht szu gemüthlich machän, denn wir werdän noch ainen Aus’flug tätigän.“ Dabei kam dem graubraunäugigen Nebachoten, der in vollem Ornat angereist war, ein leises Lächeln aufs Gesicht.

Al’Arik entgegnete verunsichert und war ebenso ins Garethi gewechselt: „Ainän Ausflug? Huabt ihrr ainen Auftruag fir mich undt maine Gardä, Hochärgebenär?“

Ra’oul sah ihn, sein Blick schwer zu deuten. „Nicht diräkt, mähr misst Ihr nuo nicht wissän.“ Al’Ariks Körper spannte sich an und seine Gedanken rasten. Was hatte dieses Schauspiel zu bedeuten und warum war der Marbenssohn auf einmal so abweisend ihm gegenüber. Er war ein guter Diener seines Vaters (und seines verstorbenen Onkels) und mit diesem verstand er sich recht gut. Außerdem hatte er sich nichts zu Schulden kommen lassen, außer…

Al’Arik erstarrte. Konnte es sein? Nein. Das konnte er nicht wissen. Es lag schon mehr als zwei Götterläufe zurück und bei den kleineren Geschäften würden sie sich wohl kaum einmischen, wusste Al’Arik doch, dass selbst der Marben solche Geschäfte tat und Al’Arik bei seinen immer darauf achtete dem Marben einen rechtmäßigen Teil zukommen zu lassen, als ganz legale Abgaben. Das andere…nein, wenn sie das wüssten, würden sie erst gar nicht mehr mit ihm reden, außerdem hatte er es nur zwei mal dazu kommen lassen. Nein das konnten sie nicht wissen. Oder doch? Also brachte er nicht vielmehr heraus als ein „Jah, äuer Houch’gäborän. Wann szoll esz loszgähen?“

Ra’oul merkte dem Edlen seine Unsicherheit an, was ihm gefiel, auch wenn er mehr erwartet hätte, aber er hatte jetzt schon des Öfteren gehört, dass Al’Arik ein ziemlich abgebrühter Hund sein sollte. Egal, er würde ihn schon in seine Schranken weisen. „Jätzt. Nähmt eich ain Pferd und folgt mir ainfach.“ Mit diesem Satz wendete sich Ra’oul ab und marschierte in Richtung Burghof.

„Wartät, ich wärde noch äbän maine Ammayin szusammänrufen.“, rief ihm Al’Arik hinterher und fluchte innerlich, dass nur drei seiner Männer in der Nähe waren, Hazan, Ramir und Raban. Von Vorne kam allerdings nur die Antwort: „Dasz braucht ihr nicht, Hohär Härr, ich habä 20 Männär dabai, die werdän gä’nigän.“

Al’Arik kam so langsam ins Schwitzen. Wusste er doch etwas? Aber was sollte er tun? Er keifte Hazan und Ramir an ihm zu folgen und gab Raban den Befehl die anderen zu suchen und sie zu sammeln. Dann folgte er Ra’oul in den Hof und stieg auf sein Pferd, dass er im Hof hatte stehen lassen. Seine Ammayin taten es ihm gleich. Kurz darauf waren alle bereit zum Aufbruch und Al’Arik fragte sich immer energischer wohin überhaupt. Als er die Frage danach Ra’oul stellte bekam er keine Antwort, was ihn noch unsicherer werden ließ. Und diese Unsicherheit ließ Wut in ihm hochsteigen, die er aber unter Kontrolle hielt. Doch rutschte er nervös auf seinem Sattel hin und her während der Troß, in gemütlichem Tempo in die Nacht hinein ritt.